
Kirche St. Martin Rintheim

Im Rintheimer Feld, dem großen Neubaugebiet der 1950-er Jahre, steht die Kirche St. Martin. Die einst wenigen Katholiken in Rintheim wurden zunächst von St. Bernhard aus betreut, doch schon vor dem Ersten Weltkrieg kam der Wunsch nach einer eigenen Kirche auf. Gleich nach dem Krieg wurde ein Grundstück erworben, auf dem eine kleine Notkirche eingerichtet werden konnte. Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und schnelles Wachstum der Gemeinde machten dann den großen Neubau notwendig, der 1958 begonnen und am 4. Oktober 1959 geweiht wurde. Das Patrozinium hatte man von der Notkirche übernommen, die den Namen des Hl. Martin von Tours (+ 397) im Jahr 1923 erhalten hatte. Der fränkische Heilige steht symbolhaft für die frühmittelalterliche Besiedlung der Region als Teil des fränkischen Reichs, aber noch mehr für die christliche Tugend der Barmherzigkeit, wie sie eben der Hl. Martin erwiesen hatte, als er seinen Mantel mit einem Armen teilte. Gerade in der Nachkriegszeit war diese Tugend besonders aktuell. Die Mantelspende hat Ludwig Barth in der seinerzeit modernen Technik der Eisendrahtskulptur an der Fassade dargestellt.
Auch heute steht die Kirche in ihrer ganzen Breite und Tiefe frei im Rintheimer Feld. Der Glockenturm, mehr breit als hoch, ragt hinter ihr auf, was sich aus der Grundrissdisposition erklärt: Die Kirche bildet ein Kreuz mit extrem kurzen Kreuzarmen und einem besonders großen Raum in der Mitte. Dadurch wurden über 700 Sitzplätze geschaffen, eine wichtige Forderung der damaligen Zeit. Die Seitenschiffe wurden für die Bankreihen genutzt, über dem Eingang wurde wie üblich die Orgelempore eingerichtet und der Chor wurde durch den Turm überhöht, mit dem praktischen Effekt, viel Licht auf die weite halbrunde Apsis mit dem Altar zu lenken. Schlanke Stahlstützen tragen die weitgespannte Holzdecke, die auf Stahlbindern aufruht. Die Decke schwingt zur Mitte hin leicht nach oben und gibt dem Gebäude die Anmutung eines Zeltdachs. Architekt war Werner Groh.
Das Mauerwerk der Seitenwände wurde nach innen sichtbar belassen, um einen schönen Kontrast zu den Fensterbändern zu bilden, deren abstrakte Kompositionen Otto Stolzer entworfen hat. Nur die Fenster beim Eingangsbereich erhielten eine figürliche Gestaltung, um die Funktion der seitlichen Räume erkennbar zu machen, die zur Orgelempore führen bzw. als Taufraum dienen (Dieser ist jedoch verlegt worden). Dem weiten Raum gegenüber fordert die Apsis mit ihrer Form einer halbrunden Ziegelwand zur Konzentration auf. Hier hängt das mächtige hölzerne Kruzifix von Berthold Rumold, das am Karfreitag 1980 enthüllt wurde. Die eine Hand segnend, die andere schmerzverzerrt, will es in Ruhe betrachtet werden.
In jüngster Zeit wird die Kirche renoviert. Die Außenrenovierung wurde schon 2001 durchgeführt, der Innenraum wurde im Jahr 2016 grundlegend erneuert.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
Adresse
Mannheimer Str. 1a
76131 Karlsruhe-Rintheim






