
Kirche Bruder Klaus Hagsfeld

Im Neubaugebiet jenseits der Bahntrasse liegt die Kirche Bruder Klaus. Inzwischen hat sich diese familiäre Bezeichnung eingebürgert statt des offiziellen Namens „Hl. Nikolaus von Flüe“. Der Bedarf an katholischer Seelsorge war in dem lange rein protestantischen Hagsfeld nach dem Zweiten Weltkrieg sprunghaft angestiegen. Vor dem Bau eigener Kirchen in Hagsfeld und Rintheim mussten Katholiken bis in die Karlsruher Oststadt gehen. 1960 wurde in Hagsfeld eine Notkirche aus Holz errichtet, doch auch diese war rasch zu klein, so dass man schon in den 1970er-Jahren eine dauerhafte Kirche plante, die 1976 geweiht werden konnte. Der Plan des Karlsruher Architekten Friedrich Zwingmann zeigt einen intelligenten Kombinationsbau, der ein Gemeindezentrum mit dem Sakralraum verbindet. Viele Räume gruppieren sich um den relativ bescheidenen zentralen Kirchenraum, der für normale Gottesdienste 50 Plätze bietet. Je nach Bedarf können weitere Räume zum Kirchenraum hin geöffnet werden.
Das gewählte Kirchenpatrozinium war in jenen Jahren durchaus aktuell. Der Hl. Nikolaus von Flüe (1417–1487) gilt als ein sehr volkstümlicher Schweizer Heiliger. Er lebte als Bauer wie alle um ihn herum, erst mit 50 Jahren änderte sich sein Leben. Als Eremit von tiefer Frömmigkeit, nahm er außer dem eucharistischen Brot keine andere feste Nahrung zu sich. Als 1481 die acht eidgenössischen Kantone in einem Bruderkrieg unterzugehen drohten und ihre Abgesandten in Stans tagten, erreichte sie eine Botschaft von Bruder Klaus. Dieses „Stanser Verkommnis“ bildete für Jahrhunderte die Grundlage der Eidgenossenschaft und damit auch einer friedlichen Politik. 1947 wurde er heiliggesprochen.
Dominierendes Kunstwerk in dieser Kirche ist die Treppenhauswand, die Emil Wachter mit einem Relief des Lebensbaumes im Zentrum weiterer Reliefs schmückte. Mit einem Holzrelief, das die Sehnsucht des Bruder Klaus darstellt, rahmte Berthold Rumold den Tabernakel ein (1983). Weitere Kunstwerke in dieser jungen Kirche weisen auf alte Traditionen hin. Das Kruzifix im Kirchenraum stammt aus St. Bernhard. Joseph Dettlinger hatte es zusammen mit den vier Evangelistensymbolen geschaffen, die in Bruder Klaus beim Ambo verwendet wurden. Das Kreuz war von St. Bernhard, das für die Hagsfelder Katholiken zuständig gewesen war, über die Rintheimer Notkirche hierher mitgewandert. Der Grundstein schließlich stammt aus dem Kreuzgang der Abteikirche von Weißenburg, zu der der Ort Hagsfeld tausend Jahre zuvor gehört hatte.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
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