
Kirche St. Michael Beiertheim

An der Gebhardstraße steht die Kirche St. Michael als Nachfolgerin einer kleinen Michaelskapelle. Zunächst hatte hier, als die Gemeinde stark zunahm, ab 1915 eine große Notkirche gestanden, die baldmöglichst durch einen qualitätvollen Bau ersetzt werden sollte. Kriege und Wirtschaftskrisen verhinderten dies, bis der Neubau in den 1960-er Jahren realisiert werden konnte. Werner Groh baute 1962–1965 eine kubusartige Kirche auf quadratischem Grundriss. Weit von ihr abgesetzt steht der Glockenturm dicht an der Kreuzung zweier Hauptverkehrsstraßen, wie ein städtebauliches Ausrufezeichen. Es handelt sich um eine Stahlkonstruktion mit vorgefertigten Sichtbetonplatten. Beleuchtet wird die Kirche durch ein Oberlichtband aus vorgefertigten Beton-Wabensteinen.
Der Innenraum, dessen Wände in Sichtmauerwerk ausgeführt wurden, entwickelt sich übereck in der Diagonalen. Gegenüber dem Eingang ist die quadratische Altarinsel leicht aus dem Raster versetzt – höher und breiter als der Hauptraum. Dadurch erhält der Altarraum versteckt in der Höhe zusätzliches Licht, dessen Quelle der Besucher erst einmal nicht wahrnimmt. Die Kirche gehört zu den ersten im Karlsruher Raum, die nach den neuen liturgischen Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils eingerichtet wurde: Der Altar wurde aus der Ecke herausgeholt bzw. von der Wand gelöst, die diagonalen Sitzreihen schaffen eine größere Nähe zwischen Gottesdienstbesuchern und dem Liturgen, wie es auch von der Gemeinde schnell wahrgenommen und geschätzt wurde.
Die Decke nimmt nochmals das Quadratraster des Grundrisses auf, das Oberlichtband wurde von Clara Kress farbig verglast. Ein fortlaufender Fries aus abstrakten Formen wird auch durch die Betonsteine nicht aus dem Rhythmus gebracht. In den Grundfarben Blau, Gelb und Rot entsteht im Auge des Betrachters ein Band mit Knoten und Verstrickungen. Auffälligster Schmuck in der Kirche sind eine ganze Reihe von barocken oder sogar spätmittelalterlichen Statuetten und vor allem der „Beiertheimer Altar“. Für diesen war ursprünglich die Marienkapelle zur Linken angebaut worden, um ihn würdig aufzustellen. Klimatechnische Probleme haben jedoch Schäden am Altarwerk verursacht, weshalb er etwas unglücklich hinter den modernen Hochaltar platziert wurde. Ein neues Arrangement wird noch gesucht. Während so die Kunstwerke wieder einmal ihren festen Platz suchen, kommen neue hinzu. Für die Sakramentskapelle hat Christa Kress jüngst das Triptychon „Passion“ geschaffen, das sich ungegenständlich mit der Farbe Rot beschäftigt und den Betrachter einlädt, davor zu verweilen.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
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