
Kirche St. Franziskus Dammerstock

Im Jahr 1928 war ein Wettbewerb für ein Demonstrationsbauvorhaben ausgeschrieben worden, ab 1929 entstand hier eines der bekanntesten Zeugnisse des „Neuen Bauens“ in Deutschland. Am Rand der Siedlung, nahe der Alb, steht die Kirche St. Franziskus. Es ist die einzige Pfarrei des Dekanats, die von Ordensleuten eingerichtet und bis 1992 verwaltet wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen in Karlsruhe aus den ehemaligen Reichsgebieten Elsass und Lothringen vermehrt Katholiken zu. Viele von ihnen siedelten im neuen Ortsteil Weiherfeld, später dann auch im Dammerstock. Kindergärten wurden eingerichtet und ein Schwesternverein gegründet, schließlich wurde 1932 auch Gottesdienst im Saal des Weiherhofs eingerichtet. Man entschied sich, für eine neue Pfarrei Kapuzinerpatres aus der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz zu berufen. Sie kamen zum Weihnachtsfest 1935 und blieben bis 1992, als der Orden sich entschloss, das Kloster wegen Nachwuchsmangels aufzuheben.
Der Kirchenbau, der in den Jahren 1936/37 von Fridolin Bosch und Anton Ohnmacht errichtet und am 3. Juli 1938 geweiht wurde, entstand in Zeiten der beginnenden materiellen Not. Im Stil in mancher Hinsicht der kurz zuvor fertig gestellten Christkönigskirche ähnlich, wurde die Kirche jedoch nur als einschiffiger Raum mit einer Reihe von Seitenkapellen errichtet. Der freie Platz an der Straßenkreuzung und die Wiesen am Albufer schaffen Freiraum, so dass die Fassade mit einem großen Triumphbogenmotiv und einem mächtigen Glockenturm ihre Wirkung entfalten kann.
Halbfertig war der Kirchenbau bei der Weihe aus Geldnot steckengeblieben, erst nach dem Krieg konnte die Einrichtung auch unter künstlerischen Gesichtspunkten vollendet werden. Die Arbeiten zogen sich schließlich bis 1956/57 hin. Emil Sutor hatte eine Kreuzigungsgruppe geschaffen, die jedoch so ausladend und groß war, dass der ganze Hochaltar umgebaut werden musste. Die hohen Kirchenfenster, 1967 von Rainer Dorwath entworfen, erhielten Glasfenster nach Motiven des Sonnengesangs des Hl. Franziskus.
Als man den Hochaltarbereich nach den Prinzipien des II. Vatikanums umgestaltete, wurden neue Glasfenster eingesetzt. Die jüngsten Veränderungen gehen auf die polnischsprachige Gemeinde Karlsruhes zurück, die nun schon viele Jahre hier ihre Gottesdienste feiert. Die alte Taufkapelle im Eingangsbereich wurde mit einer Kopie der Madonna von Tschenstochau und anderen Gemälden in eine polnische Kapelle transformiert. Eine ganz andere Skulptur ist aber in letzter Zeit zu Ehren gekommen: In einer Nische auf der rechten Seite hat die Holzstatue einer Madonna auf der Mondsichel ihren Platz gefunden. Ein Soldat hatte sie bei seiner Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft 1947/48 an der Pforte abgegeben. Er habe sie selbst im Krieg geschnitzt und gelobt, sie der ersten katholischen Kirche zum Geschenk zu machen, auf die er in Deutschland stoßen würde, wenn er den Krieg gesund überleben würde. Diese Statue war bei der Renovierung der Kirche „verschwunden“ und ist vor kurzem wieder aufgetaucht. Bei einem Holzschnitzer in Schonach wurde sie restauriert, bevor sie wieder aufgestellt wurde.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
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