
Kirche St. Elisabeth

Bereits 1897 dachte man an den Bau einer Kirche in dem neuen Stadtteil Südweststadt, doch die bekannten Probleme verzögerten die Angelegenheit bis zum Ende der 1920er-Jahre. 1928/29 wurde die Kirche schließlich gebaut und gleichzeitig die Pfarrgemeinde eingerichtet.
Das Geld war knapp, weswegen der Karlsruher Architekt Josef Graf einen Stahlbetonskelettbau als Notkirche realisierte. Die Planung sah vor, die „Notkirche“ später als Gemeindehaus weiterzunutzen, wenn einmal der Kirchenbau definitiv errichtet wäre. Doch dazu ist es nie gekommen, die Notkirche ist heute noch in Benutzung und in der Zwischenzeit vielfach verändert worden.
Der Kirchenbau ist zwischen zwei mächtige Riegel eingespannt: der größere bildet die Fassade zur Südendstraße, ursprünglich mit einem Portal, Fassadenrelief, spitzen Fenstern und Glockenturm; ein ähnlich gestalteter Baukörper am anderen Ende nimmt das Chorhaus und seitliche Anbauten (Sakristei) auf. Dazwischen hat Graf das tonnengewölbte Langhaus eingespannt, an dessen Außenwände auf beiden Seiten je ein Laufgang und kleinere Anräume angegliedert sind. Das Provisorium war anfangs durchaus aufwendig ausgestattet, wie alte Fotografien zeigen, doch wurde im Laufe der Zeit alles beseitigt, teils bedingt durch die Kriegsschäden, teils aber auch aus dem Wunsch heraus, einen einfachen sauber weißen Kirchenraum zu haben, wie es in den 1950er-Jahren häufig der Fall war.
Nach den Eingriffen im Zuge der Liturgiereform stand eine Neuausstattung an, die 1989 der Karlsruher Künstler Herbert Kämper durchführte. Diese war so umfassend, dass der Kirchenraum ein völlig verändertes Aussehen erhalten hat. Zentrale Leitgedanken waren, den Raum einerseits stark aufzuhellen und andererseits das Kircheninnere durch großflächige geometrische Musterflächen zusammenzuhalten. Die dekorative Malerei spielt mit den Farben Blau und Gelb, und die zwei Themenkreise „Leben Jesu“ und „Leben der hl. Elisabeth“ werden mit diesen Leitfarben geschickt auf Wände und Decken verteilt.
Blickfang an der Altarraumrückwand ist die goldgelbe Sonnenscheibe mit dem Auferstandenen über dem offenen Grab, umgeben von vier Bildfeldern mit Szenen aus dem Leben Jesu. Die Stirnwände links und rechts des Chorbogens bemalte Kämper mit zwei Andachtsbildern, links die Hl. Elisabeth mit Stationen ihres Lebens und rechts die Muttergottes mit dem Jesuskind und mit Bildern aus der Lauretanischen Litanei. Im Tonnengewölbe des Langhauses – und damit fast barocke Traditionen aufgreifend – werden Stationen aus dem Leben der hl. Elisabeth dargestellt, u.a. sehr eindringlich, wie Elisabeth die Kranken speist. Die Dekoration setzt sich bis in die seitlichen Durchgänge fort und bindet den ganzen Raum einheitlich zusammen. Auch den Kreuzweg hat Herbert Kämper mit einem eigenen Bilderzyklus ausgestaltet, der zwar im vorgegebenen Farbenkanon bleibt, aber doch ein eigenes Gepräge hat. Ein Jahr später entwarf der Künstler die Gaubenfenster des Langhauses, mit denen er seine Arbeiten in der St. Elisabethkirche abschloss (Ausführung Reinhold Herbold, Karlsruher Glaskunst 1990). Die Innenrenovierung wurde 1991 mit dem Einbau der neuen Orgel der Firma Mönch abgeschlossen.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
Adresse
Südendstraße 39
76137 Karlsruhe






