
Kirche Christkönig Rüppurr

An zentraler Stelle zwischen dem alten Ortskern und den neuen Siedlungen und zugleich an der großen Durchfahrtsstraße von Karlsruhe nach Ettlingen liegt die Kirche Christkönig. Die katholische Kirche konnte sich diesen zentralen Platz schon bald nach 1900 sichern, als die evangelische Auferstehungskirche sich an der Langen Straße festgelegt hatte. Es war jedenfalls eine Investition in die Zukunft, denn der Bau wurde erst 1935/36 realisiert, die Weihe fand am 11. Oktober 1936 statt. In der Zeit des Dritten Reiches war dies ein großes, ja kühnes Unterfangen, denn Kirchenbauten sind unerwünscht gewesen und wurden erschwert. Dieser Kirchbau war eine Demonstration, schon von der prominenten Lage her. Erst recht galt das für den Titel „Christkönig“. Das Christkönigsfest hatte Papst Pius XI. erst 1925 eingesetzt, als Zeichen gegen den aufkommenden Extremismus. Die Konzession an das Regime bestand im nachträglichen Einbau eines Luftschutzkellers.
Der Architekt Max Schätzle entwarf eine dreischiffige Kirche als traditionelle Basilika mit hohem Glockenturm zur Seite. Die glatten Mauern ohne Zierrat verleihen ihr eine bemerkenswerte Monumentalität. Einziger Schmuck an der Außenseite ist eine Marienstatue in der Mitte der drei hohen Arkaden. Das Innere zeigt einen weiten, offenen Raum, dessen Seitenschiffe sehr schmal gehalten sind. Der eine große Predigtraum dominiert. Hinter dem Triumphbogen öffnet sich der leicht eingezogene Altarraum.
Praktisch die gesamte plastische Ausstattung wurde von Emil Sutor geschaffen. Den ganzen Raum beherrscht das große Kruzifix über dem Altar. Streng frontal ist der Körper ausgerichtet, nicht der leidende Christus, sondern eben Christkönig, im Duktus romanische Vorbilder aufnehmend. Der Kreuzweg ist auf die beiden Seitenschiffe verteilt. Emil Sutor ließ alles Beiwerk beiseite, sogar die Figuren sind angeschnitten. Wie durch ein Fenster nimmt der Betrachter die Leidensstationen wahr. Sein Blick wird fokussiert, er wird zum stillen Betrachten und Mitdenken eingeladen. Die engen Seitenschiffe verstärken diesen Effekt. 1978/79 wurde auf die bis dahin grauen Figuren eine Schlagmetallauflage aufgebracht, welche die Figuren noch mehr akzentuiert.
In der Bauzeit waren die Geldmittel beschränkt, so dass nicht sogleich alle Fenster ausgeführt werden konnten. Die Rundfenster, die Clara Kress damals entwerfen konnte und die von der Karlsruher Glaskunstwerkstatt ausgeführt wurden, zeigen das Leben Jesu und die ersten Jünger. Die hohen Langhausfenster gestaltete Franz Dewald 1980, der in hellen und zarten Farben einen Zyklus schuf, der vom Garten Eden bis zum Himmlischen Jerusalem führt. Für die Konradskapelle schuf Otto Stolzer ein Triptychon mit dem Heiligen in der Mitte; seiner Fürsprache hatte man sich beim Bau der Kirche vergewissert. Er hält das Kirchenmodell in der Hand. Zu seiner Seite die im Volk beliebtesten Heiligen, der Hl. Antonius und die Hl. Elisabeth, auf den Seitentafeln stehen die Hl. Agnes und der Hl. Sebastian. Die Kirche wurde mehrmals behutsam restauriert, so dass das Gesamtprogramm trotz Veränderungen (Liturgiereform etc.) weiterhin gut zu erkennen ist.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
Adresse
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76199 Karlsruhe-Rüppurr






