Die Kirche St. Judas Thaddäus liegt im Karlsruher Stadtteil Neureut und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Hardt.

Die Kirche St. Judas Thaddäus liegt im Karlsruher Stadtteil Neureut und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Hardt.

Im Ostrand des alten Ortes entstand in den 1960er-Jahren eine neue Siedlung, die mit dem Neureuter Platz und der Badnerlandhalle 1977 einen Mittelpunkt bekam. Hier liegt das Gemeindezentrum St. Judas Thaddäus, am 3. Dezember 1989 geweiht und somit der jüngste katholische Kirchenbau in Karlsruhe. Der Name hängt mit der Vorgeschichte des Kirchenbaus zusammen. 1929 war ein erster Gottesdienstraum in der alten Schule von Neureut eingerichtet worden. Der damalige Pfarrer empfand die Gottesdienste mit einem Dutzend Gemeindeglieder als sehr mühsam. Deswegen weihte er diese Kapelle dem St. Judas Thaddäus, dem Helfer in besonders schweren Nöten. Dieses Patrozinium erhielten alle Nachfolgebauten, auch die Notkirche im „Lammsaal“ aus dem Jahr 1948, der von der gleichnamigen Gaststätte erworben worden war.
Die heutige Kirche entstand nach langen Gesprächsrunden, in die die Gemeinde aktiv miteinbezogen war. Der Architekt, Professor Ottokar Uhl, wollte ein modernes und variables Gemeindezentrum schaffen. Der Gebäudekomplex, der aus Kindergarten, Gemeinderäumen, Pfarramt, Pfarrerwohnung und Kirche besteht, nimmt mit seiner Höhenstaffelung die sehr differenzierte Bebauung des Ortsteils auf. Die Kirche bildet als längsrechteckiger hoher Kasten einen Querriegel. Er erinnert in seiner Form an die Speicherbauten (vor allem für Tabak), die es am Oberrhein einst in großer Zahl gegeben hat. Von draußen kommt man nun keineswegs direkt in die Kirche, sondern in den gemeinsamen Eingangsbereich. Dieser öffnet sich in einen Innenhof (meist als „Kreuzgang“ bezeichnet), um den die Gebäudeteile entwickelt sind. Rechterhand öffnet sich der Kirchenraum, der wiederum quergelagert und höhengestaffelt an der hohen, schneeweißen Wand endet. Niedrige Teile der Kirche schließen an den Kindergarten an, der unmittelbar angrenzt. In den höheren Teilen der Kirche befinden sich Emporen.
Die Stuhlreihen sind im Normalfall in U-Form rund um den Altar aufgestellt, es sind jedoch viele Varianten möglich. Die Altarinsel selbst, aus einem kleinen Podest mit Ambo, Dreisitz und Altar bestehend, sämtlich aus Holz gefertigt, ist von der weißen Rückwand abgerückt, diese ist auch vollkommen frei von einem „Altarbild“. Innerhalb des Gesamtraumes werden drei gekurvte Sonderräume gebildet – die Taufkapelle, ein „Ort für Individualandacht“ (Gruppengottesdienst) und ein Segment aus Glasbausteinen für das Allerheiligste. Im Kapellenraum (Individualgottesdienst) hat eine Marienskulptur ihren Platz gefunden; sie stammt aus der alten Notkirche und stellt damit auch die Brücke zur Vergangenheit dar. Im zweiten Segment befindet sich der Tabernakel in Kugelform, von Goldschmied Eiblmaier aus Lenggries gestaltet.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |