
Kirche St. Cyriakus Stupferich


Die Kirche St. Cyriakus mit ihrem Turm, Langhaus und Querhaus gibt sich ganz als barocke Architektur, doch der Schein trügt. Sowohl im Fassadenturm als auch im Langhaus scheint noch einiges mittelalterliche Mauerwerk zu stecken. Seit dem 16. Jahrhundert wurde über den baulichen Zustand der Kirche geklagt, 1759 war es dann soweit. Als erstes wurde der Turm von Grund auf erneuert, der deswegen am Portal diese Jahreszahl und das Monogramm der Jesuiten trägt, die von Ettlingen aus die Seelsorge betreuten und sich deshalb auch um das Anwesen kümmerten. In den folgenden Jahren wurde das Langhaus neu gebaut und mit Altären und Kanzel ausgestattet. Ab 1890 klagte die Bevölkerung wieder über den zu kleinen Kirchenraum. Diesmal kamen beide Weltkriege und die Wirtschaftskrise dazwischen. Unmittelbar nach 1945 schwoll die Einwohnerzahl wegen der Vertriebenen so stark an, dass dringend Abhilfe nötig war. Der Durlacher Architekt Anton Elsässer erweiterte die Kirche um ein weites Querhaus in einfachen barocken Formen, um die ganze barocke Einrichtung stilgerecht wieder aufstellen zu können. Auf diese Weise entstand – neben St. Valentin in Daxlanden – die größte Barockkirche im Raum Karlsruhe.
In der Tat wirkt die Einrichtung der Kirche sehr einheitlich, obwohl das nicht wörtlich zu nehmen ist. An den Kosten des aufwendigen Hochaltars hatte sich Markgraf Ludwig Georg Simpert von Baden-Baden beteiligt. Vier Säulen im Halbrund mit einem Baldachin schaffen einen architektonischen Rahmen für die Heiligenstatuen. In der Mitte steht in hochbarockem Pathos die Statue des frühchristlichen Heiligen Cyriakus, der im Jahr 303 sein Martyrium erlitten hatte. Er wird von Figuren der Hll. Johannes Nepomuk und Franz Xaver flankiert. Johannes Nepomuk war erst 1729 heiliggesprochen worden, Franz Xaver war einer der Gründungsväter des Jesuitenordens und gilt als wichtigster Missionar der katholischen Kirche des 16. Jahrhunderts. Zur Linken und Rechten werden zwei Bögen mit Statuetten des Hl. Sebastian bzw. des Hl. Wendelin bekrönt.
Der linke Seitenaltar enthält eine Kopie des berühmten „Maria-Hilf“-Bildes von Lucas Cranach d. Ä. aus dem Jahr 1537, das sich im Innsbrucker Dom befindet. Dieses Maria-Hilf-Bild gehört zu den wirkmächtigsten Zeugnissen der katholischen Frömmigkeit im süddeutschen Raum, weswegen viele Nachbildungen angefertigt wurden. Im Jahr 1679 hat ein bayerischer Ballmeister dieses Bild dem „löblichen Gotteshaus zu Stupferich“ gestiftet, aus bisher unbekannten Gründen. Das rechte Seitenaltarbild mit einer Darstellung von Maria und Johannes am Kreuz ist wohl erst im 19. Jahrhundert entstanden, Zur weiteren Ausstattung gehören vor allem noch der um 1500 geschaffene Taufstein und die Kanzel mit schönen Statuetten der Kirchenväter. Das Deckenbild im Langhaus, das Jesus am Ölberg zeigt, wurde 1924 von den Gebrüdern Hemberger ausgeführt und zeigt wieder einmal, wie wichtig es hier zu allen Zeiten war, die Kirche als barockes Gesamtkunstwerk beizubehalten.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
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