![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
Kirche St. Johannes Baptista Aue
Die Kirche St. Johannes Baptista liegt inmitten des Neubaugebiets Lohn-Lissen, das nach dem Zweiten Weltkrieg westlich von Aue entstand. Die Ellmendinger Straße bildet eine große Ellipse, innerhalb der etliche Reihenhäuserzeilen locker um ein grünes Zentrum errichtet wurden. Hier plante Rainer Disse „auf der grünen Wiese“ ohne Einbindung in die umliegenden Häuserreihen von 1962 an ein Gemeindezentrum mit Kirche, Pfarrhaus, Kindergarten und einem dazugehörigen Spielgarten, das etappenweise bis 1974 fertig gestellt wurde. Inselartig wurden alle Gebäude mit einer Mauer umgeben und auf eine Plattform gestellt. Am 3. Juni 1963 wurde der Grundstein für die Kirche gelegt, am 19. November 1964 wurde sie in Gebrauch genommen (geweiht am 9. Mai 1965). Nahezu einziges Baumaterial ist der damals modische Stahlbeton.
Die gesamte Kirche mit ihrem freistehenden Glockenturm wurde auf einem Dreiecksraster entworfen, aus dem wiederum Sechsecke und Dreiecke gebildet wurden. Die Kirche bildet ein großes Sechseck, das aus sieben kleinen Sechsecken und zwölf Dreiecken besteht. Dem entsprechen im Inneren sieben pilzartig hoch aufstrebende Stengelsäulen mit sechseckigen Schirmen, zwischen denen dreieckige Oberlichter die Sonne in den Kirchenraum einlassen. Die fensterlosen Außenwände der Kirche besitzen ein Ornamentmauerwerk aus Ytongsteinen, die, leicht stufenförmig versetzt, der Mauer eine geometrisch-rechteckige Struktur geben. Auch große Teile der Einrichtung wurden dem Entwurfsschema unterworfen, etwa die in den Raum gestellten Beichtstühle, die sechseckige Empore oder der Turm über dreieckigem Grundriss. Unter der Kirche wurden der Gemeindesaal und eine Bibliothek eingerichtet.
Die Gestaltung der Altarwand bricht aus diesem Schema aus. Das dynamisch wirbelnde Ornament entwarf Josef Weber, ebenso den Tabernakel und die Portale. Die spätere Ausstattung entfernte sich dann spürbar von dem bisher eingehaltenen Konzept. Die Wand zur Sakristei schmückt ein zehn Meter langer Wandteppich mit einer Darstellung des Lebens des Täufers, entworfen 1984 von Adelheid Dorwarth aus Freiburg. Wilhelm Müller schuf 1990 einen holzgeschnitzten Kreuzweg, der in Medaillons auf Stangen montiert und bei Prozessionen getragen werden kann. Die eigentlich vorgesehene Taufkapelle im Fuß des Glockenturms konnte aus bautechnischen Gründen nicht eingerichtet werden. Deswegen war ein Taufbecken in Achteckform (das also aus dem Raster ausbricht), das die Forbacher St. Johannes-Gemeinde nach Karlsruhe schenkte, hochwillkommen, und wurde hier von der Firma Ringwald aufgestellt.
Adresse
Ellmendinger Straße 1
76227 Karlsruhe






