
Kirche St. Peter und Paul Durlach

Außen vor dem ehemaligen Stadtmauerring der Altstadt steht die Pfarrkirche St. Peter und Paul, die erste eigenständige Kirche der katholischen Bevölkerung von Durlach. Das katholische Leben in der Stadt war mit der Reformation erloschen. Erst als die beiden Markgrafschaften 1771 wiedervereinigt wurden, strömten langsam wieder Katholiken nach Durlach, was sich mit der Industrialisierung nach 1871 verstärkt fortsetzte. Bereits 1822 wurde eine Pfarrei eingerichtet, aber erst am Ende des 19. Jahrhunderts konnte der Kirchbau in Angriff genommen werden. Der Durlacher Stadtpfarrer engagierte Baudirektor Max Meckel, den Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes in Freiburg. Am 24. Juli 1898 wurde der Grundstein gelegt, am 24. September 1900 konnte die Kirche geweiht werden. Entstanden war eine einheitlich geplante, qualitätvoll ausgestattete Kirche des Historismus, die ihre schöne Ausstattung bis heute über alle Fährnisse bewahren konnte. Der Krieg richtete keine Schäden an, auch die liturgischen Reformen wurden so behutsam durchgeführt, dass St. Peter und Paul im Karlsruher Raum einen großen Schatz darstellt.
Die Planungsgeschichte verlief freilich nicht konfliktlos. Max Meckel, einer der großen Meister des neogotischen Kirchenbaus, versuchte, einen sparsamen Bau zu entwerfen, doch die Gemeinde zeigte immer wieder höchste Ansprüche, denn zu lange hätten die Katholiken in Durlach schweigen und dulden müssen. Nur mit Mühe konnte Meckel manche seiner Ziele durchsetzen. Er wählte als Vorbild die spätmittelalterliche Architektur der Bettelorden. So konnte er auf die Wölbung im Hauptschiff und Strebepfeiler am Außenbau verzichten, und auch das Maßwerk konnte einfacher gestaltet werden. Zu dem einfacheren Bauschema gehörte auch der Verzicht auf ein Querschiff. Nur bei der Turmbekrönung setzte sich die Gemeinde durch, indem sie fünf Spitzen erhielt, statt einer. Im Ergebnis fügt sich der Bau sehr gut in die städtebauliche Situation ein. Von außen erscheint die Kirche abwechslungsreich gestaltet, bietet eine lebendige Dachlandschaft und dem Fernblick die große Turmsilhouette. Auch bauideologisch im Sinne des Historismus war die Kirche treffsicher platziert: Spätgotische Kirchen der Bettelorden standen in mittelalterlichen Städten immer in Randlagen zur Stadtmitte; diese Gewohnheit war auch in Durlach am Ende des 19. Jahrhunderts übernommen worden.
Die dreischiffige Kirche wirkt im Innern sehr klar und traditionell wie eine Kirche im Mittelalter. Das Hauptschiff besitzt eine Holzdecke, deswegen können die Hochschiffwände ohne Pfeiler auskommen. Ähnliche Effekte kennen wir von mittelalterlichen Reformorden, besonders von Franziskanerkirchen. Etwas reicher ist der Eindruck in den gewölbten Seitenschiffen und bei den Altären. Nahezu sämtliche Glasfenster der Erbauungszeit blieben erhalten. Das stilistische Vorbild hat Peter Hemmel von Andlau geliefert, der bekannteste Glasmaler des 15. Jahrhunderts im Elsass, dessen Werke auch in Süddeutschland Verbreitung fanden. Die Seitenschiffe enden am Marien- bzw. am Josefsaltar, der Hochaltar zeigt das Leben Jesu. Ihre Vorbilder finden sich bei Riemenschneider und seinen Zeitgenossen um 1500. Die ausführenden Werkstätten wurden von anerkannten großen Meistern ihres Faches geleitet, sie arbeiteten meist in Freiburg und Umgebung: Es sind die Gebrüder Mezger für Schnitzaltäre, die Glasmaler Helmle, Jennes sowie Protz und Ehret. Bei der Herstellung dieser Altäre und der Glasfenster ging es nur teilweise um die Kunstfertigkeit, dennoch dürfen diese Werke nicht als bloße Kopien abgetan werden. Die Kunsthandwerker arbeiteten im Sinne der alten Meister, aber durchaus mit eigenen Gedanken. Tatsächlich sind die Reliefs des Hochaltars Werken von Riemenschneider nachempfunden, etwa in Creglingen oder Rothenburg. Der Josefsaltar zeigt Ähnlichkeiten mit dem Hochaltar des Hans Baldung Grien im Freiburger Münster. Aber die Darstellung Josefs ist eine ganz andere, unmittelalterliche: Der Hl. Josef machte nämlich am Ende des 19. Jahrhunderts seine ganz eigene Karriere, als Patron der Arbeiter schlechthin. Papst Leo XIII. hatte mit seiner Enzyklika „Rerum novarum“ 1891 eine katholisch fundierte Antwort auf die Soziale Frage und auf die sozialistische Herausforderung formuliert. Viele der Glasfenster wurden von katholischen Vereinen gestiftet, die am Ende des 19. Jahrhunderts aufblühten.
Ein erstes Mal wurde die Kirche 1938 im Innern renoviert. Bei dieser Gelegenheit schuf Emil Sutor einen eindrucksvollen, bewusst einfach gestalteten Kreuzweg, bei dem jedes Bild auf Jesus und eine Assistenzfigur reduziert ist. Dadurch entsteht ein fruchtbarer Dialog innerhalb der Figurengruppe. Die umfangreichste Renovierung wurde in den Jahren 1984/85 durchgeführt, als die vatikanische Liturgiereform umgesetzt wurde. Der neue Altartisch sowie der Ambo von Wilhelm Müller nehmen mit ihren Apostelstatuen in Terrakotta ein Stück der alten Ausstattung auf, ohne diese sklavisch nachzuahmen. Horst Leyendecker gab dem Innenraum eine angenehme Farbstimmung und schmückte die Fenstergewände floral aus, was einen bescheidenen aber wirksamen Akzent setzt (1982/83). Reinhold Herbold restaurierte viele der Glasmalereien und trug dadurch viel zum Gesamteindruck der Kirche bei. Das einzige neue Fenster gestaltete Anina Gröger 1990 mit Szenen aus dem Leben des Bruder Klaus.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
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