
Kirche Heilig Kreuz Grötzingen

Nachdem die Zahl der Katholiken im Laufe des 19. Jahrhunderts langsam angestiegen war, konnte noch während des Ersten Weltkriegs der Bauplatz erworben werden, doch anschließend verhinderten die politischen und wirtschaftlichen Umstände eine rasche Realisierung des Kirchbauwunsches. In der benachbarten Villa Fritsche wurde daher 1920 eine Notkirche eingerichtet, die bald zu klein wurde. Im Herbst 1930 konnte schließlich nach der Planung von Franz Kuhn der Kirchbau begonnen werden, am 15. November 1931 wurde die Kirche auf den Titel Hl. Kreuz geweiht, den die mittelalterliche Kirche getragen hatte, die evangelisch geworden war. Unter den Ehrengästen war bei der Weihefeier auch der evangelische Pfarrer anwesend, der in einer Ansprache das gemeinsame Bekenntnis im Kreuzesnamen betonte. Ein konfessioneller Konsens wurde hier offenbar schon sehr früh erreicht.
Die Kirche ist ganz aus dem Kreuzmotiv heraus entwickelt worden. Den Grundriss bildet eine Kombination aus Kreis und Kreuz. Es ist eine Variation – im Kleinen, wohlgemerkt – der Grundrissbildung des Pantheons in Rom und der Karlsruher Stephanskirche, in der Formensprache weiter reduziert. Zur Straße hin ist dem Rundbau eine trutzige Doppelturmfassade vorgelegt, die einem mittelalterlichen Westwerk gleicht. An der Fassade begegnen wir wieder dem Kreuz, das dem Kreisfenster vorgelegt ist. Die Kreisform bestimmt den Bau auch im Inneren, stilistisch an die romanische Rundbogenarchitektur angepasst, die ihrerseits auf römischer Gewölbearchitektur aufbaut.
Emil Sutor hatte 1931 das Kruzifix mit den beiden Assistenzstatuen für den Hochaltar geschaffen. Das Kruzifix stand auf dem Altar und reichte so hoch, dass das Kreuz wieder das Kreisfenster in die Mitte nimmt – die sprechende Kreuzesikonographie, die vom Weihetitel des Altars bis zur architektonischen Großform alles umfasst, war hier in Architektur und Skulptur wunderbar zusammengeführt.
Die liturgisch notwendigen Veränderungen nach dem II. Vaticanum – hier 1974 durchgeführt – haben diese stringente Bildsprache aufgelockert. Der Altar wurde nach vorne gerückt, das Kruzifix steht nicht mehr auf ihm. Außerdem sank es nach unten und hat damit das Kreisfenster verlassen. Die Kreisform wurde nun das bestimmende Element: ein kreisförmiger Altar, die Kreuzwegstationen in großer Plastizität auf kreisförmigen Tondi; von Klara Kress stammt der Entwurf für das Glasfenster hinter der Orgel und die Arma Christi in Kreismedaillons, die übrigen Fenster gestaltete Franz Dewald.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
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