![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |
Kirche St. Konrad
Die Kirche liegt in der Karlsruher Nordweststadt und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.
An der Hertzstraße, die mit ihrem begleitenden Grünstreifen die Süd-Nord-Achse des Stadtteils bildet, steht die Kirche St. Konrad. Für die Siedlung, die Anfang der 1920-er Jahre am Binsenschlauchweg entstand, wurde bereits 1923 eine Pfarrei vorgesehen und eine Notkirche in der Telegraphenkaserne eingerichtet. Sie erhielt das Patrozinium St. Konrad und besaß 1935 sogar schon eigene Glocken. Ein herber Rückschlag erfolgte 1936, als der NS-Staat den Mietvertrag kündigte. Die Gemeinde musste auf eine Schreinerei in einem Hinterhaus der Kärcherstraße ausweichen. Dekan Rüde bezeichnete die neue Notkirche als den „unwürdigsten, armseligsten und notdürftigsten Gottesdienstraum“, den das Dekanat Karlsruhe jemals gehabt habe.
Erst in den Jahren 1956-1957 konnte die große, frei in ihrem Umfeld stehende Kirche und der seitliche Glockenturm nach Plänen des Architekten Werner Groh errichtet und am 15. Dezember 1957 geweiht werden. Die weiträumige Hallenkirche, die ursprünglich 1000 Personen (650 Sitz- und 350 Stehplätze) fasste, wurde auf parabelförmigem Grundriss geplant, wobei der Altar in den Scheitelpunkt gesetzt wurde. Die Seitenwände der Kirche streben zum Kircheneingang hin auseinander, so dass immer neue Wandstücke zur Mitte hin gestaffelt wurden. Diese Außenmauern aus Backstein, in die die Beichtstühle vollkommen integriert sind, wurden durch hohe Glasfenster verbunden. Die Raumform spiegelt sich in der Decke mit ihrem Flechtwerk aus Sperrholz wider.
Die Ausstattung wurde nach und nach realisiert. Das Kruzifix im Scheitelpunkt hatte Herbert Jogers bereits 1948 für die Notkirche geschaffen. Im Jahr 1968 entwarfen Frido Lehr den Kreuzweg und Franz Dewald die 48 Kirchenfenster, die interessanterweise auf beiden Seiten gleich, nur spiegelverkehrt ausgeführt wurden. Heute ist die Kirche im Umbruch, die Ergebnisse sind noch nicht abzusehen. Die Altarinsel wurde provisorisch nach vorn verlegt, im Eingangsbereich der Kirche sollen eigene Bezirke für Taufe und Kleingottesdienste geschaffen werden.






