Die Kirche liegt im Karlsruher Stadtteil Mühlburg und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Die Kirche liegt im Karlsruher Stadtteil Mühlburg und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

An der Rheinstraße, die Mühlburg mit dem Zentrum von Karlsruhe verbindet, liegt leicht zurückgesetzt die Kirche St. Peter und Paul. Katholiken wohnten schon seit der Erhebung zur Stadt 1670 in Mühlburg, doch eine eigene Pfarrei konnte erst 1847 eingerichtet werden. 1867 richtete man einen Kirchenbaufonds ein, und Baurat Adolf Williard, der 1869 die Leitung des Erzbischöflichen Bauamtes in Karlsruhe antrat, fertigte die Pläne. Doch der Kulturkampf der 1870er-Jahre verzögerte die Ausführung fast um 20 Jahre. Am Festtag Peter und Paul, dem 29. Juni 1884, konnte endlich der Grundstein gelegt werden, und der erste Gottesdienst fand zu Weihnachten 1886 statt. Der stattliche Kirchenbau wurde im Bombenhagel der Nacht vom 4. auf 5. Dezember 1944 bis auf die Doppelturmfassade und den Chor zerstört, und wegen der finanziellen Not nach dem Krieg konnte der Wiederaufbau erst 1954–55 stattfinden. In der Zwischenzeit wurde 1948 beim Gemeindezentrum eine Notkirche eingerichtet, die später in Oberreut weiterverwendet wurde und dort noch erhalten ist. Der Neubau nach dem Entwurf von Werner Groh wurde am 27. November 1955 geweiht.
Der Kirchenbau von Adolf Williard gehörte zu den großen und originellen Bauten des Historismus in Karlsruhe, wovon die erhaltenen Reste kaum einen Eindruck zu geben vermögen. Die Kirche mit einer breitgelagerten und hohen Doppelturmfassade besaß ein dreischiffiges Langhaus, dessen Mittelschiffarkaden weit gespannt waren. Hinter dem ebenso weiten Triumphbogen schloss das große Chorrund den Bau ab. Obwohl der Bau historische Bauformen aufnimmt, ist kein direktes Vorbild zu erkennen. Williards Grundgedanke war, eine Kirche im frühchristlichen Stile zu entwerfen, einen Bau, der die Weite von S. Paul vor den Mauern in Rom widerspiegeln oder sogar übertreffen sollte. Die römische Kirche galt im 19. Jahrhundert als das Nonplusultra des frühchristlichen Kirchenbaus, weil sie die einzige der großen päpstlichen Kirchen war, die ihre Form des 4. und 5. Jahrhunderts behalten hatte. Diesem Baugedanken entsprach die offen konzipierte Vorhalle. Was die Säulen des basilikalen Langhauses betraf, war Williard stolz darauf, mit ihnen die engen Säulenstellungen früherer Kirchen übertroffen zu haben, und zwar weniger aus ästhetischen, sondern aus praktischen Gründen: So könnten Menschen in den Seitenschiffen dem Gottesdienst folgen. Höhepunkt der Gestaltung war das riesige Chorgewölbe über dem Hochaltar, das sich wie frühchristliche Vorbilder über dem Altar erhob. Für die plastische Durchgestaltung der Kirche war der junge Architekt Albert Hofmann zuständig, der später u. a. die bekannteste und wichtigste deutschsprachige Architektenzeitschrift, die Deutsche Bauzeitung, herausgab. Die Ausstattung der Kirche des 19. Jahrhunderts war mehrmals grundlegend verändert worden, nichts davon hat die Bombardierung 1944 überlebt. Am qualitätvollsten darunter waren wahrscheinlich die Kreuzwegbilder von Albert Haueisen von 1926. Jede Station nahm ein ganzes Wandkompartiment ein.
Werner Groh musste bei der Wiederherstellung 1954 –1955 ein Gleichgewicht zwischen altem Stil und neuen Formen finden. Das Chorrund und die Fassade wurden erhalten, aber verändert. Am Chor wurden Ziergesimse und verstärkende Lisenen abgeschlagen, an der Fassade wurden viele Details verändert und vereinfacht. Dabei wurde auch die ursprünglich offene Vorhalle mit schweren Portalen geschlossen, was der Fassade ihre bisherige Leichtigkeit nahm. Zwischen Doppelturmfassade und Chorapsis setzte er ein Langhaus, das die basilikalen Formen in modernen Materialien (Beton und Glas) aufnahm und damit die moderne Ausstattung ermöglichte. Ein Gerippe aus wenigen Betonstützen richtet den Raum auf und hält ihn zusammen. Die Hochwände des Mittelschiffs sind völlig aufgelöst bzw. reduziert auf senkrechte und waagerechte Betonstege, die rechteckige und runde Glasfenster aufnehmen. Clara Kress hat die Fenster entworfen, die alle nur geometrische Muster enthalten. Größte figürliche Ausstattung der neuen Kirche wurden die Glasmalereizyklen von Emil Wachter aus dem Jahr 1955 in den Seitenschiffen, sein erster großer Auftrag in Karlsruhe (Ausführung Karlsruher Glaskunstwerkstätten). Die Gemälde stellen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dar. Viele Scheiben tragen Widmungen, mit denen an die Toten des Kriegs und der Nachkriegszeit gedacht wird. Das Kruzifix über dem Altar hat Seff Weidl 1955 geschaffen. In seiner grazilen und geometrischen Form scheint der Körper auch gleichzeitig Kreuz zu sein, und schwebt fast schwerelos über dem Altar. Damit sich das Kruzifix in der riesigen Apsis nicht verliert, hat Gabriele Wilpers 2001 ein Glasrelief von 3 Metern im Quadrat geschaffen. Mal reflektiert die vergoldete Glasscheibe mit Wellenlinien das Licht, mal lässt sie mehr Licht durch. Das Relief regt zu vielen Assoziationen an – an das himmlische Jerusalem, die viereckige Stadt, das goldene Meer und vieles mehr. Dieselbe Künstlerin hat 2008 für das alte Taufbecken in der Mitte der Kirche einen neuen farbigen Raum geschaffen. Zur weiteren Ausstattung gehören eine Marienstatue von Klaus Ringwald (1979), die Statuen von Petrus (Frido Lehr) und Paulus (Emil Sutor) sowie der ungewöhnliche Kreuzweg von Raul Castro aus Peru (1994).
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |