Die Kirche liegt im Karlsruher Stadtteil Knielingen und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Die Kirche liegt im Karlsruher Stadtteil Knielingen und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Im Neubaugebiet von Knielingen, das nach dem Zweiten Weltkrieg besonders stark wuchs, steht die Kirche Heilig Kreuz. Mit dem Namen nimmt die Kirche das alte, in Knielingen bereits im 15. Jahrhundert bekannte Patrozinium wieder auf, das die evangelische Kirche nicht weitergeführt hatte. Es war sogar gelungen, ein Heilig-Kreuz-Partikel aus einer vorderösterreichischen Gemeinde (Gegend von Freiburg) zu erhalten. Die Reliquie ist im Vortragekreuz von Herbert Kämper eingeschlossen.
Die Geschichte der Gemeinde reicht weiter zurück als der moderne Bau vermuten lässt. Noch um 1900 lebte nur eine Handvoll Katholiken in Knielingen, doch ihre Zahl stieg so schnell an, dass man gleich nach dem Krieg im Jahr 1919 ein Grundstück für den baldigen Bau einer Kirche erwarb und in der Gaststätte „Hirsch“ eine Notkirche einrichtete. Das hölzerne Kruzifix und die Statue einer Madonna mit Kind, die sich jetzt in der Seitenkapelle befinden, stammen aus dieser ersten provisorischen Kirche.
Die Kirche wurde nach dem Entwurf von Werner Groh 1959/60 gebaut und am 12. März 1961 konsekriert. Sie besteht aus einer großen rechteckigen Halle mit einem flachgeneigten Dach. Schönstes architektonisches Motiv ist der weite halbrunde Chor, der an die altchristlichen Kirchenbauten Roms erinnert, trotz seiner weißen Farbe (römische Kirchen haben rote Ziegel). Zur Linken hat Groh eine Seitenkapelle angebaut. Modern und als eine der ersten Kirchen in der weiteren Region wurde der Altarbereich so organisiert, wie es erst wenige Jahre später das II. Vatikanische Konzil beschloss: Entlang des Halbrunds befindet sich ein Umgang, so dass die Gemeindeglieder bei der Eucharistiefeier ringsum an die Altarinsel und die Kommunionschranken herantreten können.
Die gesamte künstlerische Ausstattung, die Emil Wachter entworfen hat, steht unter dem Motto des heilbringenden Kreuzholzes. Der Grundgedanke lehnt sich an die Heilig-Kreuz-Legende an, eine der wichtigsten und bekanntesten christlichen Legendengeschichten des Mittelalters. Im Zentrum der Erzählung steht das Kreuzholz, das in den Büchern des Alten Testaments bereits präsent sei und auf die Heilstat des Neuen Bundes vorausweise, nämlich zum Beispiel im Paradiesbaum und im Holz der Arche Noah. Im Neuen Testament ist das Kreuzholz dann Träger des Martyriums Christi, also im Grunde der erste Zeuge der Erlösungstat Jesu. Deswegen ist das Kreuzholz in Wirklichkeit lebendig, es ist ein Lebensbaum. Die Kreuzholzlegende umfasst letztlich die gesamte Geschichte der Menschheit im religiösen Sinn, von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht. Sie konkretisiert sich in Knielingen im Reliquienpartikel und in der Namengebung der Kirche. Bereits am bronzenen Kirchenportal wird das Kreuz bzw. der Lebensbaum („spes unica“) dargestellt. Besonders eindringlich hat Wachter den Oberlichtstreifen in der Seitenkapelle gestaltet, die biblischen Geschichten der Schöpfung und der Arche Noah sind schnell zu erkennen. Das Glasfenster, das im Hauptkirchenraum den Altarbereich beleuchtet, zeigt in voller Höhe des Kirchenschiffes den Lebensbaum. Sein Licht fällt auf den Altar und das Kreuzreliquiar, so schließt sich der Kreis.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |