Die Kirche liegt in der Karlsruher Nordstadt und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Die Kirche liegt in der Karlsruher Nordstadt und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Nahe am Gelände der ehemaligen preußischen Kadettenanstalt steht in der Grenadierstraße die Kirche Herz Jesu. Der Wunsch nach einer eigenen Pfarrgemeinde bestand schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Nachdem die Kadettenanstalt 1919 aufgelöst worden war, konnte sich die katholische Gemeinde eines der Gebäude sichern, und zwar die Badeanstalt der Kaserne, und damit begann eine doch sehr eigenartige Geschichte. 1924/25 richtete man provisorisch in der ehemaligen Schwimmhalle eine „Notkirche“ ein, wobei das Mauerwerk schon aus Kostengründen großenteils erhalten wurde. Nicht ohne Stolz wurde berichtet, dass das Halbrund mit den Duschen nun auf wunderbare Weise als Apsis für den Hochaltar diene. Diese Umwidmung erinnert an ideologisch motivierte umgekehrte Fälle in der Sowjetunion, wo die Moskauer Erlöserkirche und die deutsche lutherische Kirche von Leningrad jeweils in Badeanstalten transformiert wurden, beide jedoch wesentlich später. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die alte Bausubstanz sukzessive in einen Neubau integriert. 1952 wich die halbrunde Apsis dem jetzigen rechteckigen Chor, und 1954 schuf Werner Groh aus den Seitenmauern des Schwimmbads den heutigen Bau, der mit keinem Stein mehr an seine Geschichte erinnert, im Gegenteil, die dreischiffige flachgedeckte Kirche nimmt die Form einer klassischen Basilika auf. Der Glockenturm steht von der Kirche etwas abgesetzt zur Straße hingewendet.
Eigentlicher Schmuck der Kirche ist ihre qualitätvolle Einrichtung aus der Nachkriegszeit. An der Stirnseite des Chores brachte Emil Sutor das Relief der „Johannesminne“ an, das auf den Titel der Kirche Bezug nimmt: Der Lieblingsjünger Johannes lag beim Abendmahl an der Brust (oder dem Herz) Jesu. Die Technik, ausgeschnittene flache Figuren auf eine Wand zu setzen, hat ihre Wurzeln in den bildenden Künsten der 1920er- und 1930er-Jahre. Die Chorfenster und fünf kleinere Fenster wurden 1956 von Ludwig Barth entworfen.
Im Jahr 2009 konnte die Kirche dank einer großzügigen Schenkung renoviert werden und hat dadurch ihre schnörkellose Schönheit der Nachkriegszeit in seltener Reinheit bewahren können.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |