Die Kirche liegt in der Karlsruher Südstadt und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Die Kirche liegt in der Karlsruher Südstadt und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Die Kirche Unsere Liebe Frau wurde 1890 begonnen und am 16. Oktober 1892 konsekriert. Der Wunsch, eine zweite katholische Pfarrkirche in der Residenzstadt zu haben, reicht bis 1853 zurück, der Schritt war überfällig, denn die Zahl der Katholiken war im 19. Jahrhundert rasant gestiegen, von knapp 2.000 um 1800 auf rund 9.000 in der Jahrhundertmitte und 25.000 im Jahr 1885. Die schweren Auseinandersetzungen im badischen und anschließend preußischen Kulturkampf verhinderten jedoch jegliche Planungen, bis sich Ende der 1880er-Jahre eine Lösung abzeichnete. Nun ging es gleich um zwei Kirchen: Während in der Oststadt eine repräsentative Kirche geplant werden sollte, müsste das Bahnhofsviertel sofort eine einfache Kirche erhalten, wurde vom Großherzog am 15. Februar 1888 festgelegt. Durch das neue „Ortskirchensteuergesetz“ war auch die Finanzierung auf bessere Beine gestellt. Ihr Architekt war Franz Jakob Schmitt, ein sehr erfahrener kirchlicher Baumeister, der vor allem in Elsass-Lothringen und in der Bayerischen Rheinpfalz tätig war. Er gehörte zu den „Gotikern“ unter den Kirchenbaumeistern des 19. Jahrhunderts, hatte in Darmstadt, Berlin und Wien gelernt, wo der berühmte Friedrich von Schmidt sein Lehrer war. Mit sicherer Hand hat Schmitt den Entwurf für Karlsruhe geplant, eine dreischiffige Hallenkirche mit ausladendem Querhaus und einem polygonal schließenden Chor, an dessen Seite ein schlanker Glockenturm aufragt. Seine Kirchenpläne gehorchten einfachen Gesetzen: Das Langhaus war auf der Zahl „vier“ aufgebaut, Sinnbild der christlichen Welt. Mit der „vier“ ließen sich die Himmelsrichtungen, Jahreszeiten oder Elemente erfassen. Der Chor dagegen fußt auf der „drei“, Symbolzahl der Trinität. Schmitts gotischer Sakralstil stellt keine einfache Nachahmung bestehender mittelalterlicher Kirchen dar, sondern er ist eine eigene Schöpfung in altem Gewand. Der Innenraum ist von seiner Gesamtheit her ein heller und luftiger Raum, was man von einer gotischen bzw. neogotischen Kirche nicht erwarten würde. Die schlanken Stützen besitzen farbige Kapitelle und tragen einfach geformte Rippengewölbe. Das Baumaterial stammt aus dem Pfinztal (roter Buntsandstein) und aus Mühlbach bei Eppingen (hellgelber Sandstein). Im Krieg wurde die Kirche schwer getroffen, der Chor war zerstört. Er wurde nun rechteckig wiederaufgebaut, so dass sich an dieser wichtigen Stelle heute doch ein ganz anderer Eindruck ergibt.
Schon zu ihrer Bauzeit wurde die Kirche reich ausgestattet, und dies änderte sich bis heute nicht. Was im Wesentlichen so vollkommen einheitlich aussieht, ist doch das Werk eines ganzen Jahrhunderts, und viele Kunstwerke waren wie in einem Kreislauf zwischenzeitlich außer Gebrauch geraten und jetzt wieder neu zusammengesetzt. Aus der Erbauungszeit sind nur noch wenige Ausstattungsstücke vorhanden. Hier ist vor allem der Kreuzweg des Freiburger Bildhauers Joseph Dettlinger zu nennen, der in figurenreichen und farbigen Relieftafeln an der Innenwand des Langhauses umläuft (1899). Wenig später schuf derselbe Künstler das große Missionskreuz im Querhaus: Beide Werke sind im spätgotischen Stil gehalten, ähnlich die Büsten der Kirchenlehrer, die Josef Eberle 1896 ursprünglich für die Kanzel geschaffen hatte, und die sich heute an der Chorrückwand befinden. Sie ahmen Holzschnitzwerke aus dem Umkreis des Tilman Riemenschneider nach.
Kirchenrenovierungen in der Zeit vor bzw. nach dem Ersten Weltkrieg und 1937 veränderten das Innere ziemlich einschneidend, was wir heute kaum noch nachvollziehen können. Die Wände wurden einheitlich grau bzw. weiß gefasst, was dem Innenraum einen etwas kühlen Eindruck gegeben hat. In dieser Farbstimmung kann man sich die beiden Altarreliefs aus Muschelkalk von Fritz Burkert gut vorstellen, die er 1955 und 1957 für das Querhaus geschaffen hat, den Marien- und den Josefsaltar. Zu dieser Zeit war auch der Chor nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verändert wiederaufgebaut worden.
Die nächste einschneidende Veränderung stand mit der Umgestaltung des Chores und der Altarinsel an, die 1974 nach Plänen von August Vogel und Wilfried Kornmüller erfolgte. Zelebrationsaltar, Ambo und Sakramentsstele wurden in der Vierung platziert. Von Siegfried Haas aus Kirchheimer Blaubank-Muschelkalk roh herausgeschlagen, blieben sie halbroh in ihrer urtümlichen Form stehen. Der rückwärtige Chorbereich war nun frei geworden und nahm das neue Taufbecken auf. In diesem immer noch relativ farblosen Kirchenraum schuf Peter Valentin Feuerstein mit seinem großen Chorfenster mit dem Thema „Maria – leuchtendes Zeichen des Glaubens, der Hoffnung und des Trostes dem wandernden Volk Gottes“ einen grandiosen Kontrast. Feuerstein nahm Anregungen aus der Gemeinde feinfühlig auf und setzte sie in eine Bildfolge von 35 Teilbildern um, die von links nach rechts und von unten nach oben zu lesen sind. Die Bilder reichen von den Prophezeiungen im Alten Testament bis zum Himmlischen Jerusalem in der Bildspitze.
Den Raum prägt heute die Ausmalung der Gewölbefelder, die Feuerstein zusammen mit seinem Sohn Christoph 1991–92 ausführte, und die zum Katholikentag in Karlsruhe fertig wurde. Die Zwickelbilder nehmen den gelben Grundton der Wandarchitekturfarbe auf und zeigen zum Schlussstein hin jeweils ein Bild, das dank seiner Inschrift meist recht gut lesbar ist. Die Mittelschiffgewölbe tragen Szenen aus dem Alten Testament (Schöpfung, Kain und Abel, Moses), in den Seitenschiffen zeigen die Bilder die Schöpfungen des Menschen, Musik und Kunst zum Lobe Gottes, aber auch Radioteleskope und Forschungsinstitute. Querhaus, Vierung und alter Chor sind dem Leben und Opfer Jesu, dem Pfingstfest und der Apokalypse gewidmet.
In jüngster Zeit wurden wieder Einzelbildwerke aufgestellt. Vater und Sohn Feuerstein stellten 1996 Fragmente eines Herz-Jesu-Altares an der östlichen Querhauswand mit Aluminiumgussteilen, die Maßwerk nachahmen, zusammen, ein großartiges Ensemble. Wie in einer großen Kathedralwerkstatt werden Reliefteile recycelt und in der Kirche wieder sichtbar gemacht. Die Kirche Unser Liebe Frau nimmt als Gesamtkunstwerk auf diese Weise eine bemerkenswerte Gegenposition zur katholischen Hauptkirche St. Stephan ein.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |