Die Kirche liegt in der Karlsruher Weststadt und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Die Kirche liegt in der Karlsruher Weststadt und gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

Recht genau in der Mitte der Sophienstraße steht die Kirche St. Bonifatius. Zusammen mit dem Pfarrhaus bildet sie ein schönes Ensemble historistischer Architektur, das zumindest im äußeren Erscheinungsbild den Charakter aus der Zeit der Weihe 1908 recht gut bewahrt hat. Im Jahr 1896 hatte man das großzügig bemessene Grundstück erwerben können, und nur der zur gleichen Zeit laufende Bau der St. Bernhardskirche am Durlacher Tor verhinderte einen raschen Aufbau. Man begnügte sich zehn Jahre lang mit einer preiswerten Notkirche. Von 1905 an konnte dann Diözesanbaumeister Johannes Schroth die Kirche errichten, die am 18. Oktober 1908 geweiht wurde. Schroth, der in der weiteren Umgebung von Karlsruhe schon eine reiche Erfahrung im Kirchenbau gesammelt hatte, errichtete eine dreischiffige romanische Basilika mit Emporen im Langhaus, einem ausladenden Querhaus und einem Chorumgang mit einem Kranz von Seitenaltären. Die Vierung erhielt nur einen bescheidenen Dachreiter, das Schwergewicht in der Komposition lag auf der Fassade, aus deren Mitte ein mächtiger Turm aufsteigt. Die Kirche ist in reifen romanischen Formen gehalten und ganz aus rotem Buntsandstein errichtet. Ein eindeutiges Vorbild ist nicht auszumachen. Sie erinnert vor allem mit dem Rautenhelm des Turmes an Bauten des Rheinlandes, etwa das Bonner Münster.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche mehrmals Opfer von Bombenangriffen. Zwei Meter Schutt mussten im Kircheninneren beseitigt werden, um das Langhaus schon Ende 1946 wieder nutzen zu können. 1950 war der Wiederaufbau in einfacher Weise abgeschlossen. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche in den Jahren 1978–80, als der Altarraum den Anforderungen hinsichtlich der Liturgiereform angepasst wurde. Damals wurde der gesamte Innenraum farblich neu gefasst und freundlich licht gestaltet.
Trotz der Kriegsschäden bietet die Bonifatiuskirche eine reiche alte Inneneinrichtung, die geschickt mit der neuen kombiniert wurde. Der erste Eindruck wird durch die strenge Architektur bestimmt – wechselnde Pfeiler tragen Empore und Gewölbe, die Fenster im hohen Mittelschiff folgen dem Rhythmus der Gewölbe. Dieses Architektursystem war der fortgeschrittenen Romanik entlehnt und steht im Mittelalter für eine bestimmte Epoche des Übergangs, nämlich zur Gotik (daher auch Übergangsstil genannt). Bauten des Übergangsstils sind in Deutschland in reichem Maße vertreten. Die architektonische Auffassung des Innenraums wird durch die aufgemalte Quaderung noch verstärkt. Diese war im ursprünglichen Bau nicht vorhanden, dessen Ausmalung jedoch nicht mehr zu rekonstruieren war. Es war die einzige Möglichkeit, dem Bau einen „Stil“ zu geben.
Johannes Schroth hat in seinem Kirchbau von 1908 viel Architektursymbolik versteckt, die erst entdeckt sein will. So sind im rechten Seitenschiff die Beichtstühle kapellenartig in eine Arkadenreihe integriert, und die Kapitelle dieser Arkaden nehmen auf die Sünden, die in den Beichtstühlen bekannt werden, Bezug. Und die Eckzier der romanischen Säulenbasen ist symbolhaft mit Tierdarstellungen geschmückt, die auf die schwere Last der Architektur hindeuten. Von einem monumentalen Baldachin überfangen, steht der alte Hochaltar mit der Darstellung des Abendmahls nach wie vor im Scheitel des Hochchors (das Abendmahl-Relief stammt von Hofbildhauer August Schädler). Der Hochaltar wird von fünf kleineren Altären eingerahmt, die populäre Heilige aufnehmen: die hl. Familie, der hl. Franziskus von Assisi, der die Tiere um sich versammelt, die hll. Josef und Antonius von Padua. In den Seitenschiffen sind die Kreuzwegstationen, Reliefarbeiten von Joseph Dettlinger angebracht.
Den neuen Zelebrationsaltar in der Vierung hat Frido Lehr 1978 geschaffen. In Material und Farbe passt er sich dem Bau an, ist aber ganz in modernen Formen gehalten. Eigentlich war vorgesehen, nur das Gewölbe der Vierung auszumalen. Doch die Arbeit von Valentin Feuerstein war so überzeugend, dass er schließlich alle Gewölbefelder bemalt hat. Dabei war es ihm nicht möglich, die ursprünglichen Malereien wiederaufzunehmen oder sich auch nur an sie anzulehnen, weil sie zu schlecht dokumentiert waren. Feuerstein gab jeder Kuppel eine gelbe Fläche, welche den Raum hell machte. In den Gewölbeanfängen der Kuppeln (Pendentifs) stellte er Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie die Geschichte des hl. Benedikt dar. Die Fensterrosetten des Querhauses hatte Franz Dewald bereits 1963 mit Szenen aus dem Leben Jesu bzw. Maria ausgeschmückt.
![]() | Dieser Text stammt aus dem 2015 erschienenen Kirchenführer mit dem Titel "Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge". Er stellt sämtliche evangelischen und katholischen Kirchen im Stadtgebiet sowie die Synagoge vor und bietet eine Einführung in die Religionsgeschichte der Stadt. Er wurde gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche in Karlsruhe herausgegeben und ist für 12,90€ im Buchhandel sowie beim Bildungszentrum Karlsruhe erhältlich. |